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Mai
9

InDesign CS6 – Wer braucht das?

Bereits am 23. April hat Adobe die neue Creative Suite und damit auch eine neue Version von InDesign vorgestellt. Seit dem 7. Mai kann die Trial-Version direkt von der Adobe-Webseite geladen werden. Während bei CS5 mit Features wie Spaltenspanne oder unterschiedlichen Seitengrößen im Dokument von Anwendern lang ersehnte Funktionen verwirklicht wurden, fragt man sich insbesondere für den Printbereich, ob sich ein Upgrade auf CS6 lohnt.

Adobe zeigt die neuen Funktionen fast ausschließlich im Zusammenspiel mit der Digital Publishing Suite oder  der Tatsache, dass man heute für unterschiedliche Ausgabemedien (meist Mobile Devices) publizieren muss. Ein sinnvoller Einsatz der neuen Funktionen für Print oder ein paar andere Kleinigkeiten geraten dabei schnell in den Hintergrund und es verwundert nicht, dass eine Euphorie ausbleibt. Die neuen Features sind längst bekannt: Viel Liquid-Layout, schon wieder keine Fußnoten …

Wie bereits bei CS5 gehe ich hier etwas genauer auf die CS6 – aus Sicht des Printlers – ein. Neben ein paar Änderungen im User-Interface lassen sich die neuen Funktionen grob in Flexibles Layout, Verknüpfte Inhalte, Text & Textrahmen, Workflow, HTML & EPUB, sowie Interaktiv unterteilen. Hier zunächst ein kleiner Überblick der Veränderungen aus dem Bereich Interface:

Interface

Oberfläche

Während Illustrator und Photoshop mit dunklem Look daher kommen, ist InDesign etwas blasser als in den Vorgängerversionen geworden. Das sieht man vor allem in den Verankerungsbereichen links und rechts und in den Titelleisten der jeweiligen Bedienfelder. Manche Werkzeuge veränderten bei einem Mouseover bis CS5.5 ihr Aussehen entweder nach rot oder der Buntstift färbte sich, z.B. gelb mit rotem Radiergummi. In CS6 sind die Werkzeuge jetzt generell etwas heller, haben keine Schatten mehr und auch der Mouseover-Effekt entfällt. Einziges farbiges Element ist neben den Buttons für die Farben jetzt nur noch das InDesign-Logo mit kleinem »d« ;-).

In der Werkzeugleiste fallen zwei neue Werkzeuge auf: Das Inhaltsaufnahme- und -platzierung-Werkzeug. Hierbei geht es um Super Copy & Paste mit mehreren Zwischenablagen und das ist sicherlich einen eigenen Beitrag wert.

Bei geöffnetem Dokument findet man in der Statuszeile unten rechts ein neues Icon Fenster teilen, auch über Fenster > Anordnen > Fenster teilen zu erreichen. Die Funktion die dahinter liegt, ist nicht zu verwechseln mit Fenster > Neues Fenster für … und nicht nur für Alternative Layouts interessant.

Alle Verknüpfungen in einem Dokument erhalten jetzt am Objekt ein Link-Icon. Per Alt-Klick darauf öffnet sich das Verknüpfungenbedienfeld. Wer dieses Icon nicht mag, kann es unter Ansicht > Extras > Verknüpfungsmarke ausblenden deaktivieren. Das mit InDesign CS5.5 neu eingeführte Symbol für Verankertes Objekt ist nicht mehr generell blau, sondern hat jetzt die Farbe der jeweiligen Ebene.

100% entspricht jetzt 100%: Die Idee dahinter ist, dass eine A4-Seite auf dem Bildschirm genauso groß ist, wie ein A4-Blatt. Hierfür ist es wichtig, dass InDesign die jeweilige Bildschirmauflösung des Monitors analysiert. Bisher ging InDesign standardmäßig von 72 ppi aus. Während das auf dem Mac mehr oder weniger gut zu funktionieren scheint, gibt es wohl unter Windows noch Probleme, da Windows generell als Anzeige 96 ppi ausgibt. Aufgrund dieses geänderten Verhaltens führt ein Doppelklick auf die Lupe im Werkzeugbedienfeld jetzt nicht mehr zur 100%-Darstellung. Ich habe allerdings keine Ahnung, welcher Wert statt dessen angenommen wird.

Was fehlt: Die CS-Live-Schaltfläche oben rechts fällt weg, da CS-Review eingestellt wurde.

Was heißt anders: Der Arbeitsbereich Interaktiv heißt jetzt Digitale Veröffentlichung und ein paar Bedienfelder wurden neu sortiert. Neu in CS6 zeigt Veränderungen von CS5.5 u. CS6.

Bedienfelder

Verankerte Bedienfelder haben dieses Mal keine durchgezogenen gepunkteten Linien oberhalb des Namens, sondern eine gestrichelte kurze Linie. Diese Linie findet sich jetzt auch am Fuß eines Bedienfeldes und das Vergrößern oder Verkleinern eines Panels geht damit etwas leichter. Der Mouseover-Effekt über geschlossenen Bedienfeldern fällt deutlicher aus als bisher. Ich empfinde das als besonders nützlich, da davon auch der Mouseover beim winzigen Icon für das Bedienfeldmenü betroffen ist. Bis InDesign CS4 konnten geöffnete verankerte Bedienfelder per Klick auf den Namen im Reiter auch wieder geschlossen werden. Das wurde mit CS5 geändert und geht jetzt wieder in CS6.

Seitenbedienfeld

Das Seitenbedienfeld verdient eine extra Überschrift :). Mit InDesign CS6 wurden sogenannte »Alternative Layouts« eingeführt. Für die Darstellung dieser Layouts müssen die Thumbnails im Panel vertikal angeordnet werden. Die Möglichkeit über das Bedienfeldmenü > Bedienfeldoptionen Thumbnails auch horizontal anzuordnen, wurde daher aus dem Dialog entfernt und findet sich jetzt unter Seiten anzeigen > horizontal. Ebenfalls neu ist der Eintrag Seitenattribute, in dem verschiedene Befehle zusammengefasst wurden.

Ich möchte 5 Seiten nach Seite 5 einfügen, damit ich auf Seite 6 einen längeren Text einfließen lassen kann: Bis einschließlich InDesign CS5.5 wird nach dem Einfügen meiner Seiten die Seite 10 als aktive Seite markiert und auch im Dokumentfenster angezeigt. Mit CS6 wird die Seite 6 markiert und ich kann direkt meinen Text platzieren.

Menüs und Dialoge

Neu hinzugekommen sind Einträge unter Layout für Alternatives Layout erstellen und Liquid Layout. Wer jetzt die Layoutanpassung sucht, findet diese unter Layout > Liquid Layout und kann dann dort im Bedienfeldmenü des Panels Layoutanpassung wählen. Ebenfalls neu ist HTML einfügen unter Objekte. Damit lassen sich z.B. iFrames aus YouTube oder Google Maps in ein Layout integrieren und dann für DPS, HTML oder EPUB exportieren.

Was fehlt: Nicht mehr vorhanden ist der Adobe Buzzword-Support. Hiervon betroffen sind Datei > Aus Buzzword platzieren und Exportieren in … > Buzzword.

Was heißt anders: Stege und Spalten heißen jetzt wieder Ränder und Spalten, hm. Die Übersetzer haben es dieses Mal geschafft, den Eintrag in den Formaten unter Einzüge > Optischen Steg ignorieren mit zu übersetzen. Dieser wurde jetzt in Optischen Rand ignorieren geändert. Aus Konturenführung ignorieren in den Textrahmenoptionen ist Textumfluss ignorieren geworden.

Kleiner Bug behoben, an anderer Stelle dafür großen Bug erzeugt: Im Dialog für Eckenoptionen konnte man bisher nicht auf die Icons vor den Feldern klicken um diese zu aktivieren. Das wurde jetzt geändert. In den Dialogen für Unterstreichen und Durchstreichen wurden die Schaltflächen für OK und Abbrechen in der falschen Reihenfolge angeordnet. Richtig wäre zuerst OK und dann Abbrechen, wie z.B. im Dialog für die Spaltenspanne. Als ich diesen Bug im Februar (!) gemeldet habe, hieß es, es wäre zu spät für Änderungen am UI :(.

Datei > Neu > Dokument

Auch dieser Dialog verdient eine eigene Überschrift: Neben den bisherigen Zielmedien Druck und Web wurde das Dropdown-Menü um den Eintrag Digitale Veröffentlichung erweitert. Das ist nicht spektakulär, schadet andererseits aber auch nicht, da damit auch die lange Liste unter Seitenformat etwas aufgeräumt und gleichzeitig um neue Formate ergänzt wurde. Mit der Voreinstellung Zielmedium sind verschiedene Einstellungen im Programm verbunden. Wähle ich z.B. Zielmedium > Druck bedeutet das, Einheiten in mm, Schriftgrad und Zeilenabstand in Pt, Farben in CMYK, Transparenzfüllraum = Dokument-CMYK. Mit Zielmedium > Web oder Digitale Veröffentlichung erhalte ich, Einheiten in px, Schriftgrad und Zeilenabstand in Pt, Farben in RGB, Transparenzfüllraum = Dokument-RGB.

Bis InDesign CS5.5 erhalte ich bei der Auswahl von Zielmedium > Web Schriftgrad und Zeilenabstand in px, sowie Stärke der Kontur in Pixeln. Die Einstellungen hierfür konnten in den Voreinstellungen unter Einheiten und Einteilung geändert werden. Mit CS6 ist die Voreinstellung Pixel für Text und Kontur weggefallen. Die Einheit ist daher generell unabhängig vom Zielmedium Pt.

Eine wichtige Neuerung in diesem Zusammenhang ist, dass ich jetzt über Dokument einrichten nachträglich das Zielmedium ändern kann. Das ist insofern wichtig, als sich dadurch jetzt auch das Schwarz in den Farbfeldern von CMYK auf RGB umstellen lässt. Bis InDesign CS5.5 lassen sich zwar die Farben händisch von CMYK nach RGB bringen, ein CMYK-Schwarz kann aber nicht über die Oberfläche, sondern nur mühsam in den Tiefen einer IDML-Datei verändert werden.

Eine letzte augenscheinlich kleine Änderung mit gravierenden Auswirkungen: Der Eintrag Mustertextrahmen heißt jetzt Primärer Textrahmen. Hierbei handelt es sich nicht nur um eine neue Übersetzung des Begriffs, sondern um ein völlig neues Konzept, wie InDesign mit Textrahmen von der Musterseite auf damit verbundenen Dokumentseiten umgeht. Auch das ist sicherlich einen eigenen Beitrag wert.

Fazit:

Sicherlich eine Menge Kleinigkeiten fürs Erste. Sollte ich etwas vergessen haben, freue ich mich über Ergänzung über die Kommentare und natürlich auch generell über Feedback. Weitere Eindrücke zur CS6 folgen in Kürze.

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