rübiarts
RSSSkypeXING
Jun
12

EPUB: Verbesserungen in InDesign CS5.5

Designer haben zunächst die Angewohnheit, ein Produkt nach dem Aussehen zu bewerten. Damit aber ein Layout auch im Druck funktioniert, müssen bestimmte Spielregeln wie beispielsweise Auflösung von Bildern, Farbräume oder Anzahl von Seiten eingehalten werden.

Auch ein fertiges E-Book sollte bestimmten Kritierien entsprechen! Die Möglichkeit, direkt aus InDesign heraus Dateien im EPUB-Format zu exportieren, gibt es schon länger. Gerade unter der Haube wurde einiges in der aktuellen Version verbessert und somit wird das Erstellen von validen Dateien auch erstmals für Grafiker mit wenigen Kenntnissen in HTML und CSS interessant.

Was ist eigentlich EPUB?

epub, EPUB, ePUB steht für electronic Publication und damit für einen bereits 2007 verabschiedeten offenen Standard vom International Digital Publishing Forum (idpf). Der Standard legt fest, wie medien-/geräteneutrale E-Books aufgebaut sein sollten. Entspricht Ihr erstelltes E-Book diesem Standard nicht, können Sie es z.B. nicht im iBookstore von Apple veröffentlichen und die Chance ist groß, dass es auf einigen eReadern nicht korrekt angezeigt wird. Neben dem Standard EPUB ist aus heutiger Sicht nur noch das MOBI-Format relevant. In diesem Format werden E-Books bei Amazon angeboten. Aus InDesign können Sie nur Dateien in das EPUB-Format exportieren. Eventuell benötigte MOBI-files lassen sich dann später durch umwandeln einer EPUB-Datei erstellen.

Was passiert beim EPUB-Export?

E-Books sind nichts anderes als Websites im Miniformat. Um diese Sites zu erstellen, gibt es mindestens zwei mögliche Wege:

  1. Sie schreiben Ihre Inhalte mit einem Text- oder WYSIWYG-Editor in der Auszeichnungssprache XHTML (eXtensible HyperText Markup Language), binden Grafiken und Hyperlinks ein und formatieren anschließend alles mit CSS (Cascading Stylesheets). Danach erstellen Sie XML-Dateien für Navigation, Metadaten, Konformität und packen dann alles in einer ZIP-Datei in einer vorgegebenen Struktur zusammen … Uff, geht das auch einfacher? Ich bin ein Grafiker, habe zwar technisches Interesse, aber eigentlich von all diesen Dingen keine Ahnung! Antwort: Wählen Sie 2.
  2. Sie lassen die Arbeit von InDesign erledigen. Während des Exports übersetzt InDesign Absatz- und Zeichenformate in HTML- und CSS-Code, erzeugt die notwendigen Dateien für Struktur, Metadaten und Navigation und packt alles regelkonform zusammen.

Es ist ein Irrglaube, dass InDesign per Knopfdruck geräteneutrale E-Books erstellen kann. Mit InDesign CS5.5 ist jedoch gerade für Grafiker vieles einfacher geworden!

InDesign CS5 versus CS5.5

Um es mal deutlich zu sagen: Es gibt in Sachen EPUB in der Version 5.5 nichts, dass man nicht mit viel Handarbeit auch aus einer in CS5 exportierten Datei nachträglich machen könnte! Wenn man aber von HTML und CSS wenig bis keine Ahnung hat, gefrustet von den ersten Versuchen ist und keinen hat, der einem hilft, lohnt sich das Upgrade. Hier, aus meiner Sicht, die wichtigsten Neuerungen. Die Reihenfolge richtet sich dabei nicht unbedingt nach der Wichtigkeit:

Exportdialog

5: Der  Exportdialog unter „Datei > Exportieren in > EPUB“ ist in Wirklichkeit ein Skript, dass Menüeinträge und Dialogfenster generiert und im Leistungsumfang eingeschränkt ist.

5.5: Der Export für EPUB wurde komplett neu in C++ geschrieben und ist in den üblichen Exportdialog unter „Datei > Exportieren“ gewandert. Da C++ wesentlich leistungsfähiger als ein Skript ist, ist damit jetzt schon mehr möglich und auch ein solider Grundstein für künftige Funktionen gelegt.

Verschachteltes Format, Grepstil, Initial

5: Auszeichnungen innerhalb von verschachtelten Formaten, Grepstilen und hinterlegtem Inital im Absatzformat werden nicht übernommen. Als Workaround kann das Zeichenformat nochmals zusätzlich zugewiesen werden. Das funktioniert allerdings nicht wirklich für das Inital. Im EPUB wird für das Initial nur eine Klasse mit Namen des Zeichenformats angelegt. CSS-Elemente für das Umfließen (float, margin) und Größenangaben der Schrift müssen nachträglich gesetzt werden.

5.5: Verschachteltes Format, Grepstil und Initial werden ohne jegliche Nacharbeit – weder in InDesign, noch im Code – übernommen. InDesign generiert während des Exports automatisch auch die richtigen CSS-Eigenschaften für das Initial. Cool 🙂

Globale und individuelle Exportoptionen für Bilder

5: Bilder werden grundsätzlich in 72 ppi in den Formaten GIF oder JPG exportiert. Abstände und Ausrichtung von Bildern werden über Absatzformate festgelegt.

5.5: Bilder können entweder global über den Exportdialog oder individuell innerhalb der neuen Objektexportoptionen für die Ausgabe gerastert werden. Neben der Wahl von verschiedenen Ausgabeauflösungen zwischen 72 und 300 ppi steht als neues Format zusätzlich PNG zur Verfügung. Die Größe eines Bildes wird entweder absolut (Angaben erfolgen in der HTML-Datei in px) oder relativ (Angabe erfolgt in %) festgelegt. Insbesondere die Angabe der Größe verursacht momentan noch unter iBooks (der Standard-Reader auf iPad/iPhone) einiges Kopfzerbrechen, da die Tags nicht richtig gesetzt werden und die prozentuale Angabe relativ zur InDesign-Seite und nicht zum fertigen E-Book gesehen wird. Hier ist auf jeden Fall Handarbeit angesagt!

Über den Objektexportoptionen-Dialog kann ein markiertes Objekt eine individuelle Bildausrichtung (Linksbündig, Mittig, Rechtsbündig), sowie „Abstand vor und nach“ erhalten. Setzt man hier die Optionen nicht, greifen die Einstellungen im globalen Exportdialog. Da man das aber auch über die Absatzformate regeln kann, hat sich mir der Sinn dieser Optionen noch nicht wirklich erschlossen.

Verankerung von Objekten

E-Books unterliegen keiner Seitengeometrie, wie Sie es von Formaten wie PDF gewohnt sind. Da eReader unterschiedliche Maße haben und der Leser verschiedene Schriften und Größen wählen kann, befinden sich Texte, Grafiken und Bilder in einem Textfluss. Objekte müssen also innerhalb des Textes verankert werden, sonst landen sie am Schluss eines Buches.

5: Schneiden Sie ein Bild per Apfel+X in die Zwischenablage aus, erzeugen Sie im Text einen Leerabsatz und fügen danach das Bild per Apfel+V ein. Über Absatzformate oder den Optionen für „Verankertes Objekt“ lässt sich nachträglich der Stand beeinflussen.

5.5: Ziehen Sie das Objekt einfach per Drag&Drop an die Stelle, an der Sie es verankern möchten. Einfacher geht nicht. Klasse 🙂

Reihenfolge im EPUB

5: Die Reihenfolge der Elemente im EPUB wird durch den Stand im Layout bestimmt. Dabei gilt von links/oben nach rechts/unten. Um diese Reihenfolge zu umgehen, können Rahmen oder sogar einzelne Absätze mit Tags versehen werden. Die dadurch entstehende Struktur lässt sich innerhalb des XML-Fensters (Ansicht > Struktur > Struktur einblenden) umsortieren.

5.5: Neben den zwei Möglichkeiten Seitenlayout und XML-Struktur kommt eine dritte Variante „Wie Artikelbedienfeld“ hinzu. Adobe führt damit ein neues Bedienfeld ein, in das man Rahmen einfach in der gewünschten Reihenfolge, ähnlich dem Ebenenbedienfeld, hineinziehen kann und so die Reihenfolge für den Export festlegt. Da die XML-Struktur die meisten Grafiker eher abschrecken dürfte, ist das Artikelbedienfeld eine willkommene Alternative.

Bonus: Im EPUB-Export fehlt die Möglichkeit einzelne Seiten zu exportieren. Es ist ebenfalls nicht möglich, Elemente auf den Seiten vom Export auszuschließen. Ziehen Sie einfach nur die Elemente, die exportiert werden sollen, ins Artikelbedienfeld. Alles andere bleibt außen vor!

Semantische Strukturen

5: Alle Absätze erhalten einen p-Tag und das Absatzformat wird beim Mapping in einer CSS-Klasse an das HTML-Element geklebt. Für einen Reader sehen somit alle Überschriften, Zwischentitel, Fließtextabsätze usw. erstmal gleich aus, da für die Struktur nur die HTML-Elemente maßgebend sind.

5.5: Absatzformate können über den neuen Tagsexport innerhalb des Formats direkt auf HTML-Elemente gemappt werden. Eine CSS-Klasse wird nur noch optional mitgegeben. Damit ist erstmals eine Unterscheidung zwischen h1-h6, p, p class=“irgendwas“ oder auch für Zeichenformate em oder strong möglich. Diese Neuerung wirkt sich nicht nur auf den EPUB-Export aus: Mit dem neuen Mapping kann ordentliches HTML vom Grafiker per Knopfdruck erzeugt werden, dass anschließend direkt vom Webdesigner übernommen werden kann.

Fußnoten

5: Fußnoten kleben normalerweise am Ende einer Seite. Da es im EPUB aber nicht „Seite 30“ gibt, werden Fußnoten als Endnoten entweder am Ende des Kapitels oder am Ende des Buchs eingefügt.

5.5: Fußnoten können optional am Ende eines Absatzes eingefügt werden und die Information steht damit näher beim Verweis. Bei kurzen Absätzen sieht das allerdings doof aus.

Audio und Video

5: Audio- und Videofiles können eingebunden werden, die entsprechenden Tags werden jedoch nicht exportiert und müsen händisch in den Tiefen der EPUB-Struktur nachgeführt werden.

5.5: Binden Sie einfach über das Medienpanel mp3-Audio oder h.264-Videos in InDesign ein. Beim Export für EPUB werden die entsprechenden Tags automatisch generiert.

Hinweis: Da es sich hierbei um HTML 5-Tags handelt, wird Audio und Video nicht überall angzeigt! Adobe Digital Editions (ADE), Firefox, Safari können bisher nichts damit anfangen. In iBooks auf dem iPad läuft Audio und Video. Die Filme werden sogar auf Wunsch im Vollbildmodus abgespielt.

Dokumente beim Export trennen

Das Trennen von Dokumenten ist beispielsweise dann sinnvoll, wenn ich möchte, dass ein Kapitel am Anfang einer neuen Seite beginnt. Die eigentlich hierfür gedachten CSS-Befehle werden von den meisten Readern ignoriert und das Trennen von Dokumenten ist momentan nur eine Hilfsfunktion. Ein weiterer Grund ist, dass manche Reader keine Einzeldateien akzeptieren, die größer als 300 kb sind. Legen Sie also größere Werke generell als Einzeldokumente an und verwalten diese über die Buchfunktion oder trennen Sie ein Gesamtdokument einfacher direkt beim Export.

5: Dokumente werden aufgrund des Formats getrennt, dass auch für das Inhaltsverzeichnis verwendet wird. In der Folge können spätere Änderungen/manuelle Anpassungen im Inhaltsverzeichnis nur in den Tiefen des Codes und z.B. nicht in SIGIL vorgenommen werden, da sich hiermit auch der Text im eigentlichen HTML-Dokument ändern würde. Auch doof: Kapitel werden oft mit einem Ornament oder sonstiger Grafik eingeleitet und erst dann folgt der Kapitelname. Wird dieser Kapitelname – das Absatzformat – auch für das Inhaltsverzeichnis verwendet, steht das Ornament am Ende des vorherigen Kapitels 🙁

5.5: Formate für Inhaltsverzeichnis oder Trennen von Dokumenten können beim Export unabhängig voneinander gewählt werden.

Hinweis: In iBooks gibt es die Funktion „Noch 15 Seiten im Kapitel“ oder so ähnlich. Man sollte sich also überlegen, wie man seine Kapitel sinnvoll trennt 😉 und kann nur hoffen, dass mit dem kürzlich verabschiedeten Standard EPUB 3 endlich mehr Reader gibt, die die entsprechenden CSS-Befehle für Umbrüche unterstützen.

Veröffentlichungsdatum und Cover

Damit ein EPUB den epubcheck besteht, benötigt es ein Cover und das Veröffentlichungsdatum muss in den Metadaten hinterlegt sein.

5: Es besteht keine Möglichkeit, Cover und Datum direkt mitzugeben. Das nachträgliche Hinzufügen über SIGIL ist umständlich bzw. fehleranfällig, da in der aktuellen Version 0.3.4 ein BUG von SIGIL das automatische Inhaltsverzeichnis löscht.

5.5: Das Cover kann direkt beim Export hinzugefügt werden, die entsprechenden Einträge in den Tiefen vom EPUB werden automatisch gesetzt. Das Veröffentlichungsdatum wird von InDesign automatisch in den Metadaten im EPUB eingetragen. Über die Programmoberfläche von InDesign lässt sich das nicht direkt beeinflussen.

Hinweis: Da dies bereits ein längerer Beiträg ist, habe ich bewusst auf Bilder verzichtet. Einzelne wichtige Optionen werde ich in eigenen Blogbeiträgen ausführlich vorstellen.

 

Hinterlassen Sie hier Ihren Kommentar